Dissertation

2 Positionen auf Einmal. Zur Kritikfähigkeit zeitgenössischen Kunstschaffens am Beispiel von Cosima von Bonin und Andrea Fraser

Das Dissertationsprojekt „2 Positionen auf Einmal. Zur Kritikfähigkeit zeitgenössischen Kunstschaffens am Beispiel von Cosima von Bonin und Andrea Fraser“ beschäftigt sich mit zwei zeitgenössischen künstlerischen Positionen, nämlich der deutschen Konzept- und Installationskünstlerin Cosima von Bonin und der US-amerikanischen Institutionskritikerin Andrea Fraser. Auf den ersten Blick stehen die beiden Künstlerinnen einander diametral gegenüber. Auf der einen Seite steht Fraser, die in Opposition zu marktkonformer Objektkunst vor allem performativ arbeitet. Ihre Kritik formuliert sie verbal, indem sie sich zu kunst- und gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen dezidiert äußert. Auf der anderen Seite steht Cosima von Bonin, die jegliche Stellungnahme zu verweigern scheint. Vielmehr integriert sie in ihrem stark visuellen Werk Codes und Referenzen, die sie vor allem der Populärkultur – beispielsweise der Technoszene oder Modewelt – entnimmt, und Sujets wie Erschöpfung und Nicht-können anklingen lässt.

So konträr die beiden Positionen zunächst erscheinen; bei genauerer Betrachtung eröffnet sich schnell ein mannigfaches Feld an Themen und Inhalten, das sie beide teilen. Denn trotz ihrer unterschiedlichen strategischen und methodischen wie formalen Zugangsweisen, verbindet Fraser und von Bonin ein gemeinsamer theoretischer, historischer wie (sozio-)kultureller Raum. Dazu zählt, dass ihre künstlerischen Laufbahnen beide Anfang der 1990er Jahre beginnen, mit starken Beziehungen zur Kölner Kunstszene. Beide gelten von Anfang an als kritische Positionen und werden als solche rezipiert und tradiert.

Ziel der Dissertation ist es, jenes in dieser Konstellation bisher noch nicht beleuchtete gemeinsame Feld zu bearbeiten und ihre Teilhabe an einem erweiterten künstlerischen Diskurs sowie das kritische Potenzial ihrer Arbeiten aufzuzeigen. Denn ihre Werke thematisieren Leitmotive unserer Zeit: die eigene Verortung und Identifikation angesichts einer zunehmenden Objektivierung des Ichs beziehungsweise das Dagegenhalten mittels performativer Strategien und die Frage nach Möglichkeiten einer Kritik – und schlussendlich Verweigerung – des gängigen Werte- und Gesellschaftssystems.

In der Forschungsarbeit wird daher dieses mehrdimensionale und vielschichtige Feld zwischen den Arbeiten Frasers und von Bonins – als Schlüsselpositionen ihrer Zeit – aufgespannt und anhand der eben genannten Motive abgehandelt. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung soll dabei möglichst nahe am Werk der beiden Künstlerinnen bleiben und von konkreten künstlerischen Arbeiten ausgehen, ergänzt durch Vergleiche mit Arbeiten weiterer Künstlerinnen und Künstler. Dass Fraser und von Bonin nicht jeweils allein für sich, sondern – als „2 Positionen auf Einmal“ – in einem weitläufigen Kontext an Verbindungen und Bezugssystemen betrachtet werden, soll das zuweilen enge Feld der Kunstrezeption erweitern und einen neuen Zugang zur Frage der Kritikfähigkeit zeitgenössischen Kunstschaffens eröffnen.

Cvb Mumok Kristina Schrei
Ausstellungsansicht aus COSIMA VON BONIN. HIPPIES USE SIDE DOOR. DAS JAHR 2014 HAT EIN RAD AB, mumok 2014