Publikation

Voilà: Vorhang!

Hg. von Maria Bussmann, Edith Futscher und Doris Löffler

Die Ausgabe 63 von FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur entstand wie schon Ausgabe 57 (2014) in Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien. Sie basiert auf der dort alljährlich stattfindenden Vortragsreihe Kunst – Forschung – Geschlecht, die im Studienjahr 2016/17 den Titel Voilà: Vorhang! trug. Es handelt sich bei dieser Vortragsreihe um ein gemein- schaftlich getragenes Projekt. Das Thema des vergangenen Studienjahres wurde von Maria Bussmann angestoßen und in einem Beirat weiterentwickelt, dem neben Bussmann auch Edith Futscher, Renée Gadsden, Barbara Graf, Kristina Pia Hofer und Doris Löffler angehörten.Inhaltlicher Ausgangspunkt war einmal mehr die Dynamik um das Lüften von Tüchern und das Verhüllen, um eine vorsichtig gebotene oder vorübergehend reduzierte Sichtbarkeit und um das Potential, das beweglichen Geweben hinsichtlich einer Öffnung und Schließung auch des sozialen Raumes zukommt. Angeregt von Jacques Derridas und Hélène Cixous’ Voiles (1998), in der deutschen Übersetzung als „Schleier und Segel“ (le voile: der Schleier, das Kopftuch oder auch die Gardine; la voile: das Segel) wiedergegeben, drängte sich das „Voilà“ des Titels, gelesen als „vois-là“, auf. Es ist eine Aufforderung hinzuschauen, um dann vielleicht, hoffentlich, ein Diffundieren des Blicks im Vorhang zu erfahren, eine Verflechtung von Sehen und Sichtbarem. Der klangliche Cluster fußt im velum; diesen aufnehmend soll der Curtain Call des Titels also weniger eine Bühne freimachen als die Aufmerksamkeit auf den Vor- hang selbst lenken. Im Gegensatz auch zur Düsseldorfer Ausstellung der vergangenen Saison (Museum Kunstpalast, 1.10.2016 – 22.1.2017), kuratiert von Beat Wismer und Claudia Blümle, halten die Autorinnen der vorliegenden Ausgabe nicht danach Ausschau, was sich Hinter dem Vorhang verbergen mag. Sie lassen Entblößtes und Bloßes beiseite, lenken statt dessen den Blick auf Bewegungen und Gesten im Umgang mit unterschiedlichen Schleiern und zeigen, wie diese die Wahrnehmung eines Zwischen- raumes begünstigen oder einen Zwischenraum bilden, der starre Kategorisierungen hintertreibt. Wird der Akzent nicht auf Dargebotenes oder Verborgenes gelegt, sondern auf das Zeigen oder Verbergen, treten zeitliche Aspekte in den Vordergrund. Diesem prozesshaften Moment ist wohl auch geschuldet, dass sich mehrere Autorinnen entschieden haben, den Gestus des Vortragens beizubehalten.

01 Fkw Nr63 Cover
Maria Bussmann, Edith Futscher und Doris Löffler (Hg.) VOILÀ: VORHANG!, FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur, Nr. 63, 2017.