Veranstaltung

Arbeit am Kunstwerk – Zur Überlebensfähigkeit eines ungebräuchlichen Begriffs

Vorträge und Diskussion

Programm:

14:15
Rektor Gerald Bast: Begrüßung

14:30-15:00
Eva Kernbauer: Einführung

15:00-16:00
Tobias Vogt (Berlin): Arbeit am Zertifikat

Pause

16:30-17:30
Peter J. Schneemann (Bern): Das Werk zwischen Imagination und Erinnerung. Anachronismen in der Kunstbetrachtung

17:30-18:30
Angela Matyssek (Münster): Zwischenräume von Produktion und Rezeption: „Werke“ in institutionellen Arbeitsprozessen

18:30-19:30
Diskussion

Moderation: Manuela Ammer (Wien)



Vortragende:

Manuela Ammer (Wien)
Manuela Ammer ist Kuratorin am mumok Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Bis März 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sonderforschungsbereich 626 „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ der Freien Universität Berlin, wo sie an einem Forschungsprojekt zum Subjektbegriff in der Minimal Art arbeitete. Sie hat Beiträge für Zeitschriften wie Frieze, Texte zur Kunst und Parkett verfasst sowie zahlreiche Katalogtexte zur zeitgenössischen Kunst.

Eva Kernbauer (Wien)
Eva Kernbauer ist Universitätsprofessorin für Kunstgeschichte an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte umfassen die künstlerische Geschichtsdarstellung, die Geschichtlichkeit der Gegenwartskunst, die Geschichte von Ausstellungen und Kunstkritik sowie Theorien des Kunstpublikums. Aktuell bereitet sie als Herausgeberin die Publikation „Kunstgeschicht- lichkeit. Historizität und Anachronie in der Gegenwartskunst“ (München: Fink) vor.

Angela Matyssek (Münster)
Zwischenräume von Produktion und Rezeption: „Werke“ in institutionellen Arbeitsprozessen
„Werke“ der Gegenwartskunst sind in den letzten 30 Jahren in mehrfacher Hinsicht „in Arbeit“. Jenseits kunsttheoretischer Fragen besteht die grundlegende (auch praktisch zu entscheidende) Herausforderung für das Erhalten einmal hergestellter Kunst darin, herauszu- finden was genau jeweils für ein bestimmtes „Werk“ essentiell ist, um es als es selbst zu tradieren. Forschun- gen zum Umgang mit Kunst, zu ihrer Musealisierung, Konservierung und den ihnen unterliegenden Theorien und Praktiken sind bisher kaum Teil der Kunstgeschichte. Anhand von Beispielen gehe ich den Möglichkeiten, aber auch den Herausforderungen einer solchen Perspektiver- weiterung nach: Welche Akteure, Quellen, Methoden und welches Verständnis von „Werk“ impliziert sie? Woran kann dieses Verständnis vom Kunstwerk anknüpfen? „Werke“ unterliegen aus dieser historischen oder besser biographischen Sicht notwendigerweise immer Verände- rungen und sie werden durch institutionelle Praktiken wie die Konservierung immer wieder neu stabilisiert. Damit argumentiere ich für ein prozessuales Verständnis von Kunstwerken, das neben der Kunst und den Rezipienten auch die Geschichtlichkeit mitdenkt.
Angela Matyssek ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Institut der Philipps-Universität Marburg und arbeitet an einem Projekt zu den Theorien und Praktiken des Originalen und Authentischen in der Kunst, Kunstgeschichte und Konservierung seit 1960. Zu ihren Buchpublikationen zählen „Kunstgeschichte als fotografische Praxis. Richard Hamann und Foto Marburg“, Berlin 2009 und als Herausgeberin „Wann stirbt ein Kunstwerk? Konservierun- gen des Originalen in der Gegenwartskunst“, München 2010.

Peter J. Schneemann (Bern)
Das Werk zwischen Imagination und Erinnerung. Anachronismen in der Kunstbetrachtung
Der Moment der Kunstbetrachtung wird gerne als Qualität der Präsenz beschrieben, in der zwischen RezipientIn und Werk eine verbindende Synchronität angenommen wird. Mein Diskussionsbeitrag beschreibt dagegen Phänomene, die für einen Werkbegriff sprechen, der verschiedene „Aggregatzustände“ umfasst und damit auch Erinnerung und Projektion als Rezeptionsgesten fruchtbar werden lässt. Ziel ist es, etablierte Hierarchien, wie sie etwa zwischen Werk und Dokumentation angenommen werden, zu überwinden.
Peter J. Schneemann ist Ordinarius für Kunstgeschichte am Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Geschichte der Kunstbetrachtung in Moderne und Gegenwart, methodologische Fragestellungen zum Umgang mit zeitgenössischer Kunst sowie das Verhältnis von Display und Raum. Seit 2012 ist er am SNF Sinergia Forschungsprojekt „The Interior: Art, Space, and Performance (Early Modern to Postmodern)“ beteiligt. In Kürze erscheint die gemeinsam mit Barbara Bader und Roger Fayet herausgegebene Publikation „Konstellationen der Kunstbetrachtung in der Moderne und Gegenwart. Wirkungsutopien, Steuerungsstrategien, Spielräume“ (Bern: Peter Lang).

Tobias Vogt (Berlin)
Arbeit am Zertifikat
Während die Künstlerinnen und Künstler der Moderne sich zumeist für den Rand des Werks als Ort der Signierung, Datierung oder Betitelung entschieden, haben seit den 1960er Jahren zwei gegenläufige Entwick- lungen zugenommen: Entweder rücken diese Merkmale der Authentifizierung ganz vom Werk ab und stehen auf einem separaten Zertifikat, oder die Kunstschaffenden greifen Formen und Funktionen dieser Merkmale unterschiedlich auf und stellen sie formal wie thematisch ins Zentrum des Werks. Der Vortrag untersucht diese Prozesse und richtet sein besonderes Augenmerk auf diejenigen Zertifikate, die – signiert, datiert und betitelt – neuerdings als Werke auftreten.
Tobias Vogt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kunsthisto- rischen Institut der Freien Universität Berlin, wo er in diesem Wintersemester Gregor Stemmrich vertritt. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Gegenwartskunst, Bild und Text in der Moderne sowie das Zusammenspiel von Werken und Waren ab 1800. Er promovierte über „Untitled“ und habilitiert sich derzeit über „Artikel der Kunst. Alltagsob- jekt und Wortspiel in Frankreich“. Zuletzt war er Mitherausge- ber des Handbuchs „Kunst Begriffe der Gegenwart. Von Allegorie bis Zip“, Köln 2013.